Gorka de Duo

 

„Ist die Kunst ein Spiegel der Welt, so ist dieser ein magischer Spiegel, der die Welt verändern kann. Das Wollen, die Welt zu ändern ist ein romantisches Streben und die Utopie ist der Wirkstoff.“


Gorka de Duo ist seinen künstlerischen Werde- und Schaffensgang auf vielfache Art und Weise gegangen. Aus dem Bereich des Underground und der Modefotografie ist sein Arbeitsspektrum über experimentelle Pressereportagen auf das Terrain der Installationen, der Raum-Interventionen und der Videokunst expandiert. Seine ersten Fotoarbeiten realisiert der Künstler 1972 in Valencia, einer damals avantgardistischen Stadt und kreiert das erste Bild von dem Modezeichner Francis Montesinos. Gleichzeitig tritt er in Kontakt mit der Progresía antifranquista, der kulturelle antifranquistischen Szene, und fotografiert die katalanische Theatergruppe „Els Joglars“. Zu seinem Freundeskreis zählen zu dieser Zeit der Filmemacher Antonio Maenza, die Dichter Leopoldo María Panero und José Miguel Arnal sowie der Designer Xavier Mariscal. 1974 reist er nach London und Marokko und widmet sich wiederholt der experimentellen Fotografie. Nachdem er im Laufe der 70er und 80er Jahre für mehrere Illustrierte (Sábado Gráfico, La Luna, Diagonal, Vogue…) sowie Zeitungen (El Caso, El País…) freiberuflich tätig ist, begleitet er und fotografiert 1983 Andy Warhol während dessen Besuches in Madrid. 1984 nimmt Gorka de Duo im Circulo de Bellas Artes in Madrid an der Sammelausstellung „Aktuelle Fotografie in Spanien.“ teil. Ein Jahr später, im Rahmen des Madrider Fotofrühlings, stellt er seine Werke neben Gordillo, Mappelthorpe und Zush in der Galerie Fernando Vijande aus. Ebenfalls in Madrid, werden 1987 seine Bilder bei der Ausstellung „Andy Warhol in Spanien“ gezeigt.
Gorka de Duos bis zu diesem Zeitpunkt realisierten Fotoarbeiten wurden 1995 während des Mois de la Photo in Paris in einer Ausstellung mit dem Titel: „Madrid: Die achtziger Jahre, Bilder der Movida“ gezeigt, die anschließend durch diverse europäische Städte (München, Bremen, Nizza, Bordeaux, Toulouse, Lissabon…) reiste. Sowohl im historischen als auch im künstlerischen Sinne markieren die ausgestellten Werke das Ende einer Epoche – der des so genannten „Übergangs zur Demokratie“ in Spanien, welcher untrennbar mit dem spanischen Postmodernismus verbunden ist.

1991 zieht Gorka de Duo nach Barcelona und arbeitet mit der Theatergruppe „La Fura del Baus“ und mit der Zeitschrift „Ajoblanco“ zusammen. In dieser Periode entstehen Arbeiten, bei denen der Künstler das Universum der Multimedia-Installationen erforscht: Dabei stechen zwei Arbeiten besonders hervor: die in der Ikon Gallery in Birmingham durchgeführte Installation (Memory, 1992-93) sowie eine Intervention in der baufälligen Fabrik der „Papelera Levantina“ in Valencia (Impermanencia, 1994). Die Fotografie, ihres bidimensionalen Charakters beraubt, wird hier zu einem experimentellen Raumerlebnis, zu einer Wanderung. Mit Hilfe von fotografischen Bestandteilen wird ein symbolisches Bedeutungsnetz gespannt, in dem die Prägnanz der Romantik, die nackte Irrealität, der Traum und das Unerwartete sich vereinen.
Im Jahre 1995, im Rahmen einer im Wolf Vostell Museum im Malpartida (Cáceres) organisierten Vorführung, realisiert Gorka de Duo die Performance „Ein Feuerweg und ein Riss auf dem Wasser“ in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Ana G. Wolf Vostell zeigte sich von dieser Vorführung so begeistert, dass er Gorka De Duo dazu beglückwünschte. Im gleichen Jahr wird er vom Valencianischen Institut für Moderne Kunst (IVAM) für die Teilnahme an der Fotoausstellung „25 Graphen“ in Kyoto (Japan) gewählt. Zwischen 1997 und 1998 realisiert Gorka de Duo ein interessantes „journalistisches Experiment“ als Art Director der Zeitschrift „Ajoblanco“. Von dieser Position aus gibt er den Anstoß zum „Sonar“, Barcelonas Internationales Festival für elektronische Musik und Multimedia, und fördert die „Rave Culture“ sowie die Wiederentdeckung von Leopoldo Maria Panero.

Seit 1998 lebt und arbeitet Gorka de Duo in Berlin. Diese neue Etappe charakterisiert sich durch den Einsatz digitaler Medien, des Videos und der Performance, ohne auf die analoge Fotografie zu verzichten. Aus dieser Zeit des künstlerischen Experimentierens stechen folgende Arbeiten hervor, bei denen Gorka de Duo in dem sich stetig verändernden Berlin neue Ausstellungsorte erforscht: die Video-Performance "Pixel Error" präsentiert in der Walden Galerie (2003-2004), in der der Künstler ein reales Dokument benutzt und dieses in einen persönlichen Diskurs integriert. Es handelt sich um eine konzeptuelle Collage, in der sich engagierte Kunst mit Science Fiction und ein schamanistisches Ritual mit Lettrismus mischen. Und seine Teilnahme zusammen mit Klaus Ferentschik (Regent im Collège für Pataphysik), A. Zettelmann und Rainer Wieczorek, u.a., an dem Projekt „PATAPANOPTIKUM – Requiem für Alfred Jarry“ (2007), bei dem das ACUD Theater zu einem „Labor der Pataphysik“ mutiert. Mechanisches Theater, Licht- und Schattenspiel, Alchemie und Pyrotechnik, kinetische Objekte und Installationen, raumgreifende Malerei und minimalistische Interventionen - all das mischt sich zu einem sich permanent verändernden Gesamtkunstwerk. Im Rahmen des Projektes präsentiert er eine fotografische Installation aus der Serie „fATA MORgANA“ und die Video-Performance „Elemente der Pataphysik ohne Titel“ – Bühnencollage und Work in Progress in einem, inspiriert von Alfred Jarry.

Gorka De Duo zu klassifizieren ist schwer möglich, denn weder Werdegang noch Arbeitsweise verlaufen bei ihm linear und sind äußerst vielfältig. Mit der profanen Realität betreibt er polyphone Fantasie und sorgt damit für radikale Veränderung – bei sich, in seiner Kunst und bei den Betrachtern. Kunst gerät zur Realität, Realität wird Kunst, wird visuelle Poesie voll subtilem Humor und allen Freiheiten der Imagination.

 

 

 

  ZURÜCK
 
 
Gorka De Duo in Frankfurt
© Duo Kabinett/VEGAP. Frankfurt, 2005
 
berlin zirkus
© GORKA DE DUO/VEGAP 2008. Berlin Zirkus
 
Andy Warhol & Gorka De Duo
Andy Warhol & Gorka de Duo / Madrid, 1983
 
Gorka De Duo fATA MORgANA N°1
© GORKA DE DUO/VEGAP 2005. fATA MORgANA n° 1